Über die Kalkwerke

Von der Kalkherstellung zum Baustoff-Fachhandel: vier Generationen einer Firmengeschichte

Aus gutem Grund trägt der heutige Baustoff-Großhandel die "Kalkwerke" ihren traditionsreichen Namen noch immer im Firmenbild. "Kalkwerke vormals Hein und Stenger" war und ist in der Region Aschaffenburg und Umland ein Begriff, der für Kompetenz im Bereich Baumaterialien steht. Dies seit nun mehr über 150 Jahren.

In Aschaffenburg-Damm und in Feldkahl zeigen nur noch die ehemaligen Verwaltungsgebäude den Standort der einstigen Kalkbrennereien. Ihre Geburtsstunde schlug im Jahr 1864 in der Aumühle, einem Gelände in Aschaffenburg- Damm, auf dem später die "Weißpapier" entstehen sollte.
Viele wichtige technische Neuentwicklungen haben in dieser "Gründerzeit" Ihren Ursprung. Die Brüder Heinrich und Anton Stenger nutzen die Wasserkraft der Mühlenanlage an der Aschaff, um den reich an Magnesiumhaltigen Kalkstein zu verarbeiten, welcher mit Hilfe von Pferdefuhrwerken aus dem Steinbruch bei Rottenberg herbeigeschafft wurde. Der Weg hin zu einer großindustriellen Produktion wurde bereits 1870 aufgestoßen, als man mit dem Erwerb der Ziegelei Hepp in der Ottostraße 8, Stein und Mörtel gleichzeitig herstellen und anbieten konnte. Zusammen mit dem neuen Teilhaber, Hermann Hein, wurde die Produktionsstätte in der Ottostraße mit modernster Technik ausgerüstet. Angeschafft wurde ein neuartiges Etageofen-System mit Lastenaufzug, mit dessen Hilfe das Kalkbrennen rationeller als bisher betrieben werden konnte. Zudem wurde viel Geld in eine Dampfmaschine der renommierten Firma Prokorni & Witekind investiert. Dies waren aus damaliger Sicht Pioniertaten, die dem Unternehmen zu Erfolg und Anerkennung weit über die Ortsgrenzen hinaus verhalfen.

Begünstigt durch die unmittelbar angrenzende Bahnlinie als zusätzlicher Transportweg, investierten die Gründer sowie ihre Partner weiter in das Unternehmen. Bis 1890 war das Stammkapital der "Vereinten Kalkwerke" Bereits auf 400.000 Goldmark angewachsen. Bereits vor der Jahrhundertwende wurde die Produktpaletten der Eigenherstellung durch ein umfassendes Handelssortiment ergänzt: Bims, Dachziegel, Zement, Fliesen und Sanitärartikel, beinhaltet die älteste noch erhaltene Preisliste. Welchen Erfolg die Kalkwerke mit diesem umfangreichen Sortiment hatten, zeigte sich schließlich auf der bayerischen Landesausstellung des Jahre 1896. Anlässlich dieser Ausstellung erhielten die Kalkwerke die höchste Auszeichnung, welche damals an Industriebetriebe überreicht wurde: die Silber-Medaille nebst Ehrendiplom für "vorzügliches Material". Gestärkt durch solch hohe Auszeichnung entschloss sich der Aufsichtsrat der Kalkwerke, Josef Vorgang im Jahre 1900, die Sofienhütte, zu erwerben. Die hinzugewonnen Produktionsmengen ermöglichten es, 1905 eine Filiale in Hanau und 1907 eine Verkaufsstelle in Frankfurt zu eröffnen.

Über 50 Jahre hatte der jüngste Bruder der Firmengründer, Valentin Stenger Tatendrang und Mut zur Umsetzung von Ideen bewiesen. Auf ihn ist letztendlich auch die Errichtung der legendären Drahtseilbahn von 3,4 km Länge zwischen Hösbach-Bahnhof und Rottenberg zurück zu führen. Jahrzehnte lang war diese Drahtseilbahn so etwas wie das Wahrzeichen des Aschafftals zwischen Hösbach und den Weiberhöfe. Der Schwiegersohn von Heinrich Stenger, Dr. Hans Dessauer, damaliger Vorstandsvorsitzender der Buntpapierfabrik AG Aschaffenburg, führte die "Kalkwerke AG" mit großem Erfolg in die nächste Generation. Nach dem 2.Weltkrieg übernahm dessen Sohn Franz-Lothar Dessauer die Leitung der Betriebe in Aschaffenburg und Hösbach-Bhf.

Die immer größere Nachfrage nach Baustoffen für den Wiederaufbau verhalfen den unbeschädigt Produktionsstätten zu einer kurzen konjunkturellen Hochphase, 1951 musste man jedoch erkenne, dass der magnesiumreiche Mauerkalk von den Zement gebundenen Bindemitteln verdrängt werden würde. Zudem war der Steinbruch am Gräfenberg nicht mehr rentabel zu betreiben.

Mit der Entscheidung die Kalkproduktion aufzugeben, war gleichzeitig der weitere Ausbau des ursprünglichen Firmensitzes in der Ottostraße verbunden. Mit dem Neubau eines großflächigen Baustofflagers, einer Fliesenausstellung, Verwaltungs- und Schulungsräumen, übernahm der Sohn von Franz-Lothar Dessauer 1977 die Geschäftsführung des Baustoff-Großhandels in Damm mit dem traditionsreichen Namen. Mit dem Wachstum des Waren- und Dienstleistungsangebotes wurde bald erkannt, dass die Gewerbeflächen der Expansion des Unternehmens nicht mehr lange werden standhalten können.

Die über 15 Jahre unablässige Suche nach einem neuen Standort in kundenfreundlicher Lage, mit großzügigen Parkplätzen, zusätzliche Lager- und Ausstellungsflächen, war am 30.12.1993 erfolgreich. Die Kalkwerke konnten nun den größten Teil des ehemaligen amerikanischen Depots an der Goldbacher Straße ihr Eigen nennen. Unter der Leitung von Dr. Stephan Dessauer ist eine zwischenzeitlich auf knapp 200 Mitarbeiter angewachsene Belegschaft bereit, die Herausforderung des traditionsreichen Namens anzunehmen und dem Anspruch der Prämierung des Jahres 1896 nicht nachzustehen. Die Unternehmensphilosophie hat sich jeher seit über 150 Jahren nicht gewandelt. Die besten Produkte, gepaart mit Kompetenz und Erfahrung in der Beratung, und Kundennähe im Tagesgeschäft, das Bestreben nach der Kundenzufriedenheit steht für alle Mitarbeiter an oberster Stelle. Dies nützt dem Kunden und beflügelt jeden Einzelnen im Team, sein Können und seine Ideen einzubringen in eine Gemeinschaftsaufgabe, in der der Name "Kalkwerke", für ein erfolgreiches Unternehmen steht.